MONTE-VERITA

die Aspiration an der Änderung, die diese "Reformatoren des Lebens" motiviert.

alte Photos

die Utopisten

geographische Lage

geschichtlicher Überblick

Emission TV auf arte

die Naturmenschen

le Rolle von Monte-Verità bei der Hoffnung des 20. Jahrhunderts (Artikel in Deutsch)

 Verbindungen 

mit anderen Standorten

das Museum

Kommentare über die Emission von Arte

diese Seite ist durch Frantz anhand von der gefundenen Dokumentation über Internet erstellt worden (siehe die Verbindungen)

 

Photos der Kolonie und der Künstler und Schriftsteller, Forscher, die es besuchten:

Decken Verità Gesamtansicht v.l.n.r. ordnete Andrea ein, ordnete Gentile ein, Haupthaus und ordnete Anatta ein (1905

Zentralhaus von Henri Oedenkoven erbaut

Isadora Duncan, Aufenthalt auf Mote Verità 1903

Rudolf von Laban "Der Mönch"

Mary Wigmann, "Hexentanz" 1914

Kraft durch Freude unter Leitung von Masseur Maurer, um 1930

ZZu Sonnenbad der Vegetarier 1906

eine Gemeinschaft

Tanz

ein Kolonist naturiste, die Anbetung in der Sonne

Die Grazien auf der Brissagoinseln, 1930

Eric Mühsam (1878-1934)

(6. April 1878 Berlin; ermordet von den Nazis in der Nacht der 9 au10 Juli 1934 am Konzentrationslager von Orianenburg)

deutscher Dichter

Otto GROSS Psychoanalyst, 

(1877 - 1920)

Hermann HESSEN (im Zentrum) an Verità-Decken

 Tanz mit Mary Wigmann

die Utopisten des Verità-Deckens. Während Europa sich im Krieg überstürzt, von jungen Intellektuellen am Rand des Hauptsees befreien sich von den Zwängen der Zivilisation. Anarchisten, Sozialisten, Vegetarier, Künstler, Schriftsteller und Tänzer experimentieren am Monte Verità in der Nähe von Ascona neuer Lebensstil. Die Truppe der Tänzer von Rudolf von Laban bietet sich der Natur in einer revolutionären Nacktheit an, um die Gesellschaft des Inneren zu erneuern. Diese Frühphotographie in Farbe (es handelte sich am Anfang eines Diapositivs auf Glas), nimmt eine künftige Technik vorweg und spiegelt intensiv durch das faîcheur bewahrt seiner Farben die Aspiration an der Änderung wider, die diese "Reformatoren des Lebens" motiviert.

 

die geographische lage  Monte Verità

 gesehen auf Ascona

Monte Verità ein geschichtlicher Überblick:

In diesem XIXe Jahrhundert wird Europa durch die Ankunft der Industrialisierung gerüttelt, die die soziale Organisation durcheinanderbringt. Diese Krise wird besonders in Deutschland gefühlt, wo Zeichen der Abgabe die Industriewelt so von 1870. an erscheinen in Beantwortung der Urbanisierung, die durch eine neue Beschaffung der Arbeit verursacht wurde, erscheint Naturisme. Man versucht, die Verschmutzung der Städte zu fliehen, Gemeinschaften und "Gartenstädte zu schaffen ", um in Harmonie mit der Natur zu leben. Jene, die diesen Sichtpunkt teilen, fassen sich bald um von der Bewegung der Reform des Lebens zusammen (Lebensreform 1892). Contrairement der Reform, die von den rosicruciens XVIIe Jahrhundert genannt wurde, und in den literarischen Utopien, die ihm folgten, wird der wissenschaftliche Fortschritt als eine Bedrohung für XIXe Jahrhundert gefühlt. Die Bewegung der Reform des Lebens dräniert die Anhänger des végétarisme, des naturisme, des Spiritismus, der natürlichen Medizin, hygiénisme, der Gesellschaft Théosophique, so wie, von den Künstlern.

In diesem Einflußbereich versucht ein théosophe Schweizer, Alfredo Pioda, in 1889 aufzustellen ein Laienkloster. Die Gruppe nimmt den Namen von Fraternitas und installiert sich auf dem Berg Wahrheit (Monte Verità) nahe von Ascona (Tessin, die Schweiz). Frantz Hartmann und die Gräfin Wachtmeister von den vertrauten von Héléna Petrovna Blavatsky beteiligen sich an diesem vergänglichen Projekt. Es ist zweifellos diese Erfahrung, die an Frantz Hartmann "eine osicrucienneinstitution in der Schweiz" leiten wird, das Kapitel, das er den aufeinanderfolgenden Ausgaben seines Initiationsromans beifügen wird ein Abenteuer bei den Rose- Kreuzen. Eine Asche von Fraternitas, Henri Oedenkoven und Ida Hofmann lassen im Jahre 1900 Decken Verità entstehen, eine Gemeinschaft der gleichen zahlreichen  Art werden jene, die Verità-Decken besuchen werden als Schriftsteller Herman Hessen, der künftige Philosoph Martin Buber, Politiker Gustav Landauer sein, Émile Jacques-Dalcroze, der Erfinder der rhythmischen Gymnastik oder Rudolf von Laban, der Choregraph und Theoretiker des Tanzes.

 

Monte Verità ist ein großartiger natürlicher Standort, der den Hauptsee des oberen Teiles eines Hügels an Ascona beherrscht, die Schweiz.  Verità-Decken hat seinen Namen Anfang des Jahrhunderts erhalten, als der Hügel zum ersten Mal durch eine kleine Gemeinschaft von Personen von der Forschung eines alternativen, neuen und gesünderen Lebensstils gewohnt wurde: Vegetarier lebten dort in engem Kontakt mit der Natur, legten der Sonne ihre nackten Körper dar, bauten ihre Hütten und Häuser mit ihren eigenen Händen, indem sie an einer friedlicheren Zukunft träumten.  Die Gemeinschaft, ihre Diskussionsabende, ihre Konzerte und ihre Leistungen wurden bald eine Wißbegierde nicht nur für die Leute von Ascona, sondern ebenfalls für ganz europäische Reisende, die begannen, diesen ungewohnten Ort zu besuchen.  Die Gemeinschaft explodierte vor dem ersten Weltkrieg, aber etwas des Geistes des Ortes ist zusätzlich zu den Überresten dieses Zeitalters geblieben, die von Harald Szeeman für das Museum des Verità-Deckens gesammelt wurden; Photographien, Tabellen, Bücher posters, Briefe, zeugen Gegenstände vom Übergang in diesem Ort in mehr als den Gründern der Gemeinschaft, Leute wie Otto Gross, Rudolf Steiner, Krishnamurti, Isadora Duncan, Hermann Hessen.  In dieser fascinante Sammlung findet man auch Dokumente, die den besonderen tellurischen Magnetismus von dieser Region analysieren (!): eine Art zu begreifen, weswegen so sehr von großen Geistern sich hier wiedergefunden haben und hier geleitet worden sind.

gesehen auf dem  See seit der Terrasse des derzeitigen Empfangszentrums

10 Dezember 97 - FERNSEHEN

DER MAGISCHE BERG NICHT.

 


' Der Berg der Wahrheit ', Alexandre Adler und seine ' Mittwoche der Geschichte ' neigen sich auf einem besonderen Fall der deutschen Geschichte. Arte, 20 h 45.

Die Bedingungen des Glücks neu definieren, indem man Elend und Umweltverschmutzung flieht, indem man Vegetarier ißt, indem man nackte Füsse lebt... Dies war der Ehrgeiz eines Kolonistengriffs die sich Anfang des Jahrhunderts auf einem kleinen Hügel der italienischen Schweiz installierten, um dort Verità-Decken zu gründen, der Berg der Wahrheit. Im Jahre 1900 kaufen sieben Männer und Frauen urbar, die sich in einem münchner Anarchistenkreis begegnet waren, einige Hektar Erde in Tessin, machen und bauen Hütten um, eine bessere Welt zu bauen. Während eines halben Jahrhunderts begegnen sich einige große Darstellungen der europäischen Intelligentsia an Verità-Decken. Der Autor dieses Dokuments davon isoliert vier: Psychoanalytiker Otto Gross (Pionier der Geschlechtsrevolution), der ' Dichter zu den nackten Füssen ' Gusto Greser (das die Vagabunde von Hermann Hessen leitete), Choregraph Rudolf von Laban (rénovateur vom modernen Tanz) und Schriftsteller Erich Mühsam (Darstellung des Bugs der deutschen Revolution von 1918). Die Schicksale außerhalb gemeinsamen von diesen vier Individuen werden die Zweideutigkeit des utopischen Projekts enthüllen, das sie versammelt hatte. Vêtus von Häuten von Tier, Greser weicht in bombardiertem München ab, Gross meurt in Berlin in anonymem Obdachlosen, Mühsam unterliegt unter der nazistischen Tortur, während von Laban Goebbels Treuepflicht leiht und Chef der deutschen Ballette wird. Die Anbetung der Sonne und der Tänze auf den Wiesen sind sehr weit: die Geschichte hat jene aufgeholt, die geglaubt hatten, es vergessen oder es umwandeln zu können. Diese erzählten gekreuzten Lose, dank einem wichtigen Archivvorkommen, zeigen, wie die Themen der Revolte und des Schicksals sich einschießen. Verità-Decken ist ein kennzeichnendes Abenteuer der Träume und der Alpträume, die unsere sind.

Kommentar über die Emission TV: Verità-Decken

Der Berg der Wahrheit, Dokumentarfilm von Henry Colomer, das auf Arte am Mittwoch, den 10. Dezember verbreitet wurde, um 20 Uhr 45 versuchen, die zweideutige Rolle zu beweisen, die die Pioniere einer anarchistischen Gemeinschaft hätten, die in der Nähe von Ancona in der Schweiz Anfang des Jahrhunderts angesiedelt ist. Entsprechend die Strecke von vier unter jenen, die sich dort aufgehalten haben : Otto Gross, Psychoanalytiker, Gusto Graeser Vagabund, Rudolf von Laban Choregraph, der sich am Dienst von Goebbels stellen wird, richement illustrierter Erich Mühsam, von den Nazis ermordeter anarchistischer Dichter, versucht der Dokumentarfilm zu enthüllen, daß diese Gemeinschaft den Anstieg des Nazismus begünstigt hätte. Hätte Erich Mühsam keine vegetarische Hymne im Jahre 1905 geschrieben, und war Hitler nicht vegetarisch? Andere Sophismen werden als Argumente dienen. Aber diese Erfahrung gemeinschaftlich hält sich im Jahre 1920 an, und außer der Unterstützung, die Mühsam gewährte Otto Gross, wenn dieser auf dem Befehl seines Vaters interniert wurde, werden die Verbindungen zwischen diesen vier Persönlichkeiten nicht zur Sprache gebracht. Wenn ihr Schicksal außer jenem von Laban tragisch ist, es ein Grund ist, um was daraus zu folgern, wenn sie gescheitert sind, ist es was sie hatten Unrecht? Müssen man glauben, daß jene, die im Leben erfolgreich sind, Recht haben?..

Eric Jarry

die Reform des Lebens und die naturmenschen:

 (Auszug des Standortes:  http://www.blavatsky.net, der nicht mehr besteht)

Aber ist Churward nicht das einzige, die Existenz eines verlorenen Kontinents zu unterstützen. Helena Petrovna Blavatsky, Gründer der théosophe Bewegung, unterstützt ebenfalls die Existenz eines verlorenen Kontinents, Lémurie. Es ist festzustellen, daß Helena Blavatsky Aufenthalte in Indien in einem Zeitalter machte, wo Churward selbst dort einquartiert wurde (Ende des 19. Jahrhunderts - nach H. Santesson). Sie wurde ebenfalls eingeführt von "rishi", und sie beeinflußte die ersten Forschungsarbeiten von Churward zum Goldalter der Menschheit. Blavatsky war extrêment durch die rassistischen Theorien von Max Muller beeinflußt. Zitieren ebenfalls das nahe Familienmitglied Théosophie, Anthroposophie (von Rudolf Steiner), das behauptet, daß die geistige Kapazität eine Funktion "der Rassenreinheit" sei. Die von Helena Blavatsky verordneten Theorien sind sehr nah an den Grundsätzen von Mahikari:

Es ist sie auch, die die östlichen Religionen im Okzident eingeführt hat.

Es scheint also, daß Ende des 19. Jahrhunderts und Beginn ein 20., gewisser philosophischer Einflußbereich, der sehr ähnliche Grundsätze wieder aufnimmt, mit allerdings bestimmten Unterschieden Tag erfolgt ist und hat versammelt westliche und östliche Konzepte. Dieser Einflußbereich wird eine andere Wendung in den zwanziger und dreißiger Jahren nehmen.
Nach dem ersten Weltkrieg entwickelte sich in Deutschland und in der Schweiz eine Bewegung der Rückkehr zur Natur, der Wiederentdeckung des menschlichen Körpers, indem es Tanz und Gesten verband. Einer von diesen Philosophen, Jaques Dalcroze, gründete eine Gemeinschaft, deren Ziel darin bestand, die Harmonie mit der Natur wiederzufinden. Der Giebel seiner Schule trug das östliche Symbol Yin und Yang zur Schau gemischt. Andere Gemeinschaften haben sich auf einem Hügel Tessin Schweizer installiert, das man mit der Bezeichnung "Verità-Decken". Dieses "naturmenschen" lebten meistens nackt, bauten ihr Gemüse an (es gab einen sehr vegetarischen Strom) und lehnten die moderne Gesellschaft ab. Sie führten rituelle Tänze aus oft auf einer Musik von Wagner es vorgezogene von bestimmten Adolph Hitler. Bestimmte Gemeinschaften dienten einigen als Laboratorien théosophes. Man fand ebenfalls Anarchisten, Anarchisten und naturistes. All diese Gemeinschaften kündigten ein neues Alter an und bedauerten das Goldalter (ein matriarcat für einige), das verlorene Paradies. Zitiert den Befehl des Ostentempels, Gross (das an seiner Art und Weise die Theorie von Freud interpretierte), Graeser oder Muck-Lamberty, das eine Bewegung einführte, die neue Zeiten nach der deutschen Niederlage von 14-18 ankündigt. Eine andere Bewegung der Kampagnen nahm WanderVogel (Wandervögel), die scouts vorweg. Die Kinder gingen weg, Balladen zu machen, die Natur aufzudecken, sangen von alten germanischen Liedern, die ein gotisches Mittelalter idealisieren, das Ganze in einer Eisendisziplin.
Diese Bewegungen der Rückkehr zur Natur und "patriotischer Pfadfinderbewegung" wurden durch Hitler umgeleitet. Sicherlich sind alles WanderVogels nicht nazistisch geworden, aber sie haben die Werte des nazistischen Regimes vorbereitet: Rassismus, Begeisterung mit der Kraft und der Natur, Idealisierung des Mittelalters, Idealisierung des Vaterlandes, Harmonie mit der kosmischen Kraft, Fusion des Individuums in der Gemeinschaft der Rasse usw..
Außerdem lehnte die Mehrzahl der Bewegungen das Geld und matérialisme ab genauso wie Hitler, das seinen "Nationalsozialismus" vorschlug, seine korporatistische Vorstellung der Wirtschaft.

 

die anarchistische und sozialistische Vorstellung  , ein Beispiel:

Erich Muehsam  (1878-1934)

Der junge Schriftsteller, von der Berliner "Neuen Gemeinschaft" enttaeuscht, sah in Ascona die bessere Chance, "ein Zusammenleben auf eigene Faust zu bewirken, wie es Carl Graeser für sich allein ja beinahe schon erreicht hat". Er versuchte eine Umsetzung Gräaeerscher Ideen erst in seinem Schwabing-Asconeser Intellektuellenkreis dann in der "Tat"-Gruppe Sozialistischen Bundes von Gustav Landauer. Muehsam plante die Herausgabe der Schriften von Carl Graeser, den er die "interessanteste, tiefste und bedeutendste Persoenlichkeit unter allen Colonisten" nennt, und duerfte seinen Freund Otto Gross den Graeserbruedern zugefuehrt haben. Sein Versuch, Asconeser Gemeinschaftsideale in der Muenchner Revolution politisch umzusetzen, wurde niedergeschlagen und endete letztlich mit seiner Ermordung durch die Nazi.

 

MUSEI del MONTE VERITA' - Musei: Tel. + 41.91.791.03.27 - Fondazione Tel. + 41.91.791.01 81.

Ordnete Anatta ein:
das originalste Haus aus Wald aus der Schweiz, Wohnung und Sitz der vegetarischen Genossenschaft Verità-Decken.
Seit 1981 ständiges Museum auf der Geschichte des Verità-Deckens und seiner Utopien (Anarchie soziale, théosophie Utopie Reform des Lebens, Psychologie, Mythologie, Tanz, Musik, Literatur).

Ordnete Selma ein:
Hütte Luft- Licht Vegetarier vom Verità-Decken im Jahre 1900, wo andere Dokumente über das Leben des Verità-Deckens aufbewahrt werden.

Chiaro Mondo dei Beati:
Haus aus Holz im Stil Decken Verità, das im Jahre 1986 restauriert wurde, um die Malerei vorzustellen das Paradies, die von Maler Elisar von Kupffer auf einem großen panoramischen Kreistuch vorgestellt wurde.

Öffnungszeiten:
Avril/mai/juin/septembre/octobre
Dienstag-Sonntag 14.30-18.00
Juli/August
Dienstag-Sonntag 15.00-19.00

Eingang: fr. 6.-/Gruppen, Studenten, Soldaten und Rentner fr. 4. -

ZZu Versprechen Südens

Wie der Monte Verità Hoffnungen weckte und das Jahrhundert verführte:

Eine Zeitreise nach Ascona Von Thomas Rietzschel

(Auszüge dieses Artikels)

Gemischt, auffällig gemischt war die Gesellschaft. An "Postdiebe, Spitzel, Vegetarier und Verrückte", an "alte Jungfern und ethische Professoren" wollte sich Oskar Maria Graf nachher erinnern; von einer "Menge schafblöder Naturmenschen" hatte Hugo Ball, der Dada, schon 1916 berichtet und zugleich nach einem Quar-tier gesucht, um länger bleiben zu können. Die Zimmer, aber waren rar, sie wurden in Ascona knapper von Jahr zu Jahr. Spott und Gerüchte belebten den Zulauf, mit der Ankunft geriet der Reisende selbst in die Geschich-ten.

Wer für Tage buchte, verlängerte nicht selten von Woche zu Woche; manche vergassen die Rückkehr über Monate, wenn sie denn überhaupt wieder herausfanden aus dem Schatten des Monte Verità. Der Berg über DEM Dorf hatte sind DEM Jahrhundert angetan. Noch wer seiner Botschaft, wer dem Versprechen der zivilisationsmüden Siedler nicht trauen mochte, war angezogen vom Affront der bär-tigen Sonnenanbeter.

In der Biographie von August Bebel ist Ascona ebenso verzeichnet wie in der Rilke-Chronik. Isadora Duncan, Marianne von Werefkin, die schöne Gräfin zu Reventlow, Ernst Toller, Emil Jannings und Lilli Palmer, Richard Strauss, Gerhart Hauptmann und Klabund, alle haben sie vorbeigeschaut; keiner wollte den Ort auslassen. "Er war ein Eldorado, ein Eldorado der Künstler", sagt der Schriftsteller Henry Jäger; einer, der hängenblieb, weil er zu den Nachzüglern zählt - leichter vorstellbar in der Runde mit Ernst Rowohlt und Arnolt Bronnen als unter den Autoren seines Alters, unter der strengen Aufsicht einer Gruppe 47. Bei der Ankunft im Tessin, vor sechsunddreissig Jahren, hatte der Erzähler noch im Ruf des Bankräubers gestanden. Jedermann wusste Bescheid über seine Frankfurter Einbrüche; in aller Munde war "Die Festung", der erste, im Gefängnis entstandene Roman. Mit ihm konnte der Ankömmling Fuss fassen im Asco-neser "Club", wo sich inzwischen auch Autoverkäufer und Radiohersteller, Vertreter und Teppichhändler unter die intellektuellen mischten, um im Nachspiel der Geschichte Freiheiten zu geniessen, für die eine kleine Schar zu Beginn des Jahrhunderts an den Lago Maggiore gezogen war. Anziehender als der geheimnisvolle Erdmagnetismus, von dem die bemühten Forscher bisweilen sprechen, wirkte durch die Jahrzehnte das Vorbild der "Kohlrabiapo-stel", der "Narren und Propheten", der Vegetarier und der Anarchisten, die dachten, dass sie bis zur Kleidung hin im Süden abwerfen könnten, was sie im Norden beengte.

Seit Erich Mühsam Ascona 1904 zum ersten Mal besucht hatte, galt es als "der geeignete Ort" für das "absonderliche Experiment". In der Art, wie es hier Anschluss suchte, offenbarte sich das neue Jahrhundert. Aus der "Pädagogischen pro", zu der Wilhelm Meisters Wanderung führte, aus der klassischen Schulgemeinde, bei deren Erfindung Goethe Beschreibungen des Lago Maggiore, Skizzen aus der Gegend zwischen Ascona und Bellinzona zur Hand hatte, war eine "individualistisch vegetabilische Coopera-tive" geworden. Verändert schien die Erwartung, geblieben der Glaube, dass die Zukunft jenseits der Berge mit den Alpen im Rücken leichter zu gewinnen sei. Mehrfach zeichnete Fidus, der Illustrator des Jugendstils, ein Paar, das die kristalline Welt des Nordens hinter sich lässt, um der weinlaubumrankten Sonne entgegenzusehen.

Zur Aufforderung für viele wurde die paradiesische Nacktheit der Figuren, seit die Eisenbahn durch den Gotthard fuhr. Die mit ihr anreisten, erregten das Staunen des Südens. Zu Fuss und auf dem Dampfer kamen die Leute von Italien herauf, um die "Naturisten" am Monte Verità zu sehen. Fünfzig Rappen kostete der Blick auf die Nackten. Was sie wagten, sollte der mediterranen Verheissung entsprechen, literarisch genährter Sehn-sucht.

Mit ihrer Erfüllung belebten die Fremden Ascona. Zur Bühne wurde die Landschaft. Jede Saison brachte neue Darsteller; etliche banden sich für die Ewigkeit. Die Nacktenam Walkürenfelsen Den unverbauten Grabplatz am steilen Hang in Ronco, hoch über dem See, habe Erich Maria Remarque noch selbst ausgesucht, erzählt Henry Jäger. Für einen Moment sitzt er auf der Grabeinfassung des Freundes, raucht und spricht von der Bestattung 1970. Hunderte seien dem Sarg damals bei schönstem Herbstwetter gefolgt. Zum letzten Mal habe sich die ganze Gesellschaftversammelt: "Niemand wollte glauben, dass das Haus des Schriftstellers je verwaisen könnte." Heute, knapp zehn Jahre nach dem Tod der Witwe Paulette Goddard, steht die Villa Monte Tabor verlassen. Verrankt ist die Terrasse über dem See. Kein Schild gibt Auskunft, nirgends findet sich die Anschrift verzeichnet. Sie scheint so vergessen wie der Mulino del Orso, das kleinere Haus im nahen Minusio, wo Stefan George 1933 gestorben war, wenige Schritte entfernt von der Clinica St. Agnese, in der vor Remarque schon der todkranke Paul Klee gelegen hatte. Vielfach sind die Kreise verkettet, über die Friedhöfe ist ihr Speiche gezogen. Ihn zu entdecken verlangt Spürsinn, Wegweiser fehlen allenthalben. Auf George stösst man so zufällig wie auf Emil Ludwig. Bis in den Tod begegnet der Süden seinen Gästen in der Zu-rückhaltung, mit der er sie gewähren liess - gewähren, da sie nicht dazugehörten. Während der ersten Jahrzehnte gab es nicht einmal Strassen, die den Ort mit dem Monte Verità verbunden hätten. Wer hinauf wollte, musste um den Hügel herumfahren, den Zugang von der Rückseite suchen. Auf kurzem Weg führten nur Fuss - und Saumpfade hinunter. In der Nähe und abgeschieden dennoch lag das Gelände, auf dem sich der belgische Industriellensohn Henri Oedenkoven zusammen mit seiner Geliebten, der Pianistin Ida Hofmann, 1900 niederliess. Ein Jahr zuvor bereits hatte es an gleicher Stelle Pläne zur Errichtung eines theo-sophischenKlosters-sophischenKlosters gegeben; nun sollte auf dem verlas-senen Ödland eine vegetarische Kolonie entstehen.

Oedenkoven erhoffte sich davon nicht weniger als die Heilung von den Folgen syphilitischen Leidens, während ihn die elf Jahre ältere Freundin im Glauben bestärkte, wenn sie Notizen machte für die Ideologie. "Vege-tabilismus (auf deutsch Pflanzenkost)", erklärte die "Frauenbefreierin" 1905 in einer selbstverlegten Bro-schüre, "heisst das erlösende Wort der Gegenwart." Um ihm Geltung zu verschaffen, wurden Beete angelegt, Sträucher und Bäume gepflanzt, "Lufthütten" hergerichtet, Sonnenbäder umzäunt. In den "Monte Verità", in den Berg der Wahrheit, verwandelte sich der einstige Monte Monescia. Schnell entstand ein "Sanatorium". Die theo-sophisch-sophisch abgerundete ordnete "Anatta ein", das Haus der Seele, wirkte anziehend für viele. Auch Hermann Hesse versuchte hier vom Alkohol loszukommen.

Der Berg war eine Freistatt, ein Versteck war er nicht. Was auf ihm geschah, sollte auffallen, die Welt womöglich bewegen. Mit Bedacht hatte man sich für das unwirtliche, das freie Feld entschieden. Ungehindert wollte sich das neue Leben entfalten. Niemand dachte an den Rückzug in die restaurierte Dörflichkeit, zu demspätere Tessin-Touristen aufbrechen werden, Günter Grass, Walter Höllerer und Alfred Andersch neben anderen. Die dunkleren Seitentäler, in denen sich die Erbender Utopien dann vorübergehend ansiedelten, die bruch -steingefügten Dörfer, Berzona, Avegno oder Tegna, wären zu gemütlich gewesen, zu eng für Visionen, die noch insWeite griffen, ungetrübt von romantischer Färbung. Mit dem Fortschritt wollte man zurück zur Natur. Wichtiger als die Illusion ländlicher Eingliederung war die Ver-bindung nach draussen. Unentwegt schaute Franziska zu Reventlow in Ascona nach der "Ecke, wo die Bahn in die Welt hinausgeht".

Allein der Abstand verbürgte die Unabhängigkeit, die Souveränität im Rückzug. Obwohl man ihm nachsagt, dass er gern mit den Eingesessenen sprach, ging Carl Vester, einer der ersten Zuzügler, der 1902 auf dem Umweg über Samoa zum Monte Verità gestossen war, nur ins Dorf, wenn er auf die Piazza musste, um das selbstgebackene Brot, das gezogene Gemüse zu verkaufen. Das Haus, das er sich Anfang der zwanziger Jahre oben am Berg bauen liess, war nach modernsten Vorstellungen entworfen, kein landes-übliches Rustiko, kein nostalgischer Versuch der An-lehnung, sondern schon ein Vorgriff auf das Bauhaus, dessen funktionale Ästhetik den Hügel kurz darauf be-herrschen sollte.

1927 bereits entstand das auffälligste Bauwerk der Gegend, ein ausgedehnter Hotelkomplex. Eduard von der Heydt, Kunstsammler und Bankier des abgedankten Kai-sers, liess ihn an die Stelle des alten Zentralhauses setzen. DEM Zerfall zu gehen lebensreformerischen Gemein-schaftsprojekte feine DEM von Jahrhundert folgte der post- revolutionäre Aufbruch. Mit kubistischer Architektur wurde Monte Verità wieder in die Zeit gefügt. Der Bau-häusler Emil Fahrenkamp hatte dem neuen Besitzer Plänegezeichnet, die vom Flachdach bis zum Türbeschlag har-monierten, wenn sie Zweck und Schönheit im Geiste von Walter Gropius zu verbinden suchten. "Noch mal wurde grossartig umgesetzt, was sie andernorts, draussen in Europa, nördlich der Alpen planten", sagt der Innen-architekt Michèle Vester. Die Feststellung enthält das Urteil, der Blick auf die Geschichte ist geschärft von persönlicher Vertrautheit. Vor Jahren bereits hat sich der Enkel unweit des Hotels im lange vermieteten Haus des Grossvaters eingerichtet, die behutsam restaurierte Räumlichkeit mit den neuen Lampen aus Mailand erleuch-tet. 

Dass Ascona immer abhängig war von der Zufuhr der Ideen, steht für den Nachkommen ausser Frage. Überall könnte er Spuren aufzeigen; alles trägt die Züge der Nachahmung, nichts war ursächlich auf das Land, auf die Provinz bezogen, nicht die Bau - und nicht die Lebens-weise. Wie der Vegetarismus, so kam die Nacktkultur aus den Metropolen der Industriegesellschaft, ihre Sehnsüchte stimulierten das Experiment. In der Probe aufs Exempel erschöpfte sich die Kreativität; Jahr der Tendenz orientierte sich der Fortschritt Monte Verità.

Gleich zu Beginn der Besiedlung wurde seine Landschaft strukturiert wie der Bühnenraum einer Wagner Oper. Über der "Parsifalwiese" lagen "Harras-Sprung" und "Wal-kürenfelsen": Plattformen des Zeitgeistes, den man sen-sibel erspürte, ohne dass man ihn hätte bereichern kön-nen. Die wirklichen schöpferischen Eindrücke, die der Berg der Wahrheit hinterliess, sollten sich am Ende auf die Erfindung der Käthe-Kruse-Puppe reduzieren. Leer blieb "der Schöpfungsaltar", vor dem die Naturbewegten knieten, Ida Hoffmann, Oedenkoven, die Gebrüder Gräser, Gustav Nagel und andere Randgänger mehr. Was ihnen an Originalität abging, mussten sie durch Auffälligkeit er-setzen.

Geliehenen Ideen galt der Mut, den sie dabei bewiesen.

 

 Jahr der Grenze der Banalität

 

Pünktlich zum Start des Jahrhunderts war eine Elite zusammengekommen, die sich fernab von verstörender Kon-kurrenz die Freiheit nahm, nach Herzenslust zu dilet-tieren, der Wirklichkeit mit Vorstellungen zu trotzen. Ihr Eifer erregte Aufmerksamkeit von Anfang an. Viel gelacht wurde über die komischen Szenen, über "Die 12 Gebote der Heidelbeere", über die klangbildgetreue "ortografi" oder über die Kuh, die starb, nachdem sie Schmierseife gefressen hatte, weil man ihr das von den Vegetariern abgelehnte Salz entzog. An Bouvard und Pécuchet 1 mussten manche Beobachter denken, während andere schon die Gefahr der Beschränkung ausmachten. Selbst Erich Mühsam schaute mit wachsendem Zweifel auf "die schmachtäugigen Blassgesichter, die von morgens früh bis abends spät nur beflissen sind, in untadeligem Le-benswandel Leib und Seele im Gleichgewicht zu halten".

Angst machte der unerbittliche Idealismus; kaum abzu-sehen waren die Folgen eines Denkens, das jeglichen Ausdruck mit dem Hinweis auf das Recht natürlicher Entfaltung zur kreativen Leistung erhob. Als Rudolf von Laban 1913 auf dem Monte Veritä seine "Schule für Kunst" gründete, um "in alle Äusserungsfor-men des menschlichen Genius" einzuführen, "die neuen Formen eines einfachen und harmonischen Lebens zu fin-den", hatte er die Kunst mit dekadentem Zweifel von den normativen Zwängen erlöst und zudem eine Freiheit ge-stiftet, für die das Jahrhundert mit fortschreitender Verflachung zahlen musste. Die Schüler, die Tänzer, mit denen er überwiegend arbeitete, Mary Wigman und die Duncan zum Beispiel, brauchten nicht länger literari-schen Vorlagen zu folgen, sie waren nur mehr auf sich verwiesen, auf den subjektiven Ausdruck ursprünglichen Empfindens. Wie bedrohlich nahe bei solchen Ansätzen, aber auch die Grenze der Banalität liegen kann, weiss niemand besser als der Clown Dimitri. Wer die Schule, die er seit 1975 im etwas abgelegeneren Vérscio be-treibt, besuchen will, muss zunächst zeigen, dass er es versteht, die eigene Bewegung auf den Ausdruck des Be-sonderen zu konzentrieren. Purer Spontaneität mag der in Ascona aufgewachsene Pantomime nur eingeschränkt trauen.

Die Hoffnungen des Monte Verità hat sein Theater aufge-hoben - bewahrt und überwunden zugleich. Die ehedem ge-suchten, die archetypischen Verhaltensmuster entdeckt er mit gestischen Demonstrationen, die schon wieder den Anspruch intellektueller Vorführungen erheben.

Auch Leben ist eine Kunst Ihre Wirkung blieb in Ascona so begrenzt, wie sie es in jeder andern Kleinstadt gewesen wäre. Geld mochte die Gemeinde dafür nicht fortdauernd aufwenden; und Sponsoren, die eines Tages ihre besternten Autos vor das Theater stellten, konnte der Clown nicht akzep-tieren. Sein Elternhaus hatte dem Berg näher gestanden als dem Dorf, direkt hinter dem Teatro San Materno, an dem sich die Geister schieden, solang er zurückdenken kann. Kubisch geformt mit flachem Dach und hohen Fen-stern, war es - noch in Sichtweite des Friedhofes - vielen von Anfang an wie ein Vorposten erschienen. Nur gegen entschiedenen einheimischen Widerstand hatte der Bremer Architekt Carl Weidemeyer den Bau 1927 überhaupt durchsetzen können. Mit ihm, glaubte man, sei die Moderne auf den Ort vorgerückt. Bedrängend für die einen, anziehend für die anderen wirkte das kleine Theater, das der vermögende Paul Bachrach hatte bauen lassen, damit sich seine Tochter, die von D' Annunzio verehrte Charlotte Bara, als Tänzerin entfalten könnte. Zum Begriff wurde die winzige Bühne, viele haben darauf gestanden, Werner Finck ebenso wie Therese Giehse und Erika Mann. Auch Dimitri WIT DA vorzeiten einmal auf-getreten.

Heute, sagt er, kämen ihm "die Tränen", wenn er an den Zustand des Hauses denke, an den hohlen Körper, den die letzte Truppe vor Wochen verliess, weil die Baufälligkeit jeden weiteren Betrieb verbot. Dass das nur eine Schliessung für Wochen sein könnte, wagt niemand zu hoffen, nicht, nachdem das Theater in aller Stille verriegelt wurde, unbemerkt von der Öffentlich-keit. Aufgebraucht scheint die Substanz, er schöpft das In-teresse. Von Jahr zu Jahr würden es weniger Besucher, die überhaupt noch nach derartigen Orten fragten, er-zählt die Stadtführerin Verena Floeri. Aus Erfahrung weiss sie, dass immer häufiger die historischen Anhalts-punkte fehlen. Namen, die es ihr erlaubten, auf die Asconeser Geschichten zu kommen. Von Remarque mag sie gar nicht mehr sprechen; zu oft haben sie die Gäste verwundert angeschaut. Unversehens verliert sich die Erinnerung, wo man gelernt hat, noch den Zwängen der Bildung zu entfliehen mit der Freizügigkeit, zu der der Monte Verità vorzeiten ermutigte. Und dabei ist es doch stets die berichtete Vergangenheit gewesen, die die Fremden durch das Jahrhundert bewegte, sich in Ascona niederzulassen. Alle sind sie ihren Vorgängern gefolgt.

Weil sich herumgesprochen hatte, dass man hier in unge-zwungener Gemeinschaft leben könne, kamen Erich Mühsam und der Bohemien Johannes Nohl, später dann Max Weber, Edgar Jaffe, der Nationalökonom, und dazu D.H.Lawrence, eingefügt in den Kreis ausserdem der skandalumwitterte Psychoanalytiker Otto Gross; etwas abseits stehend der Psychiater Ludwig Binswanger, dem wiederum Friedrich Glauser folgte, nachdem zuvor schon Iwan Goll mit seiner Freundin Claire da gewesen war; sie sollte von hier aus zu ihrem Verhältnis mit Rainer Maria Rilke aufbrechen. Von einem zum andern reichte die Verbindung; weitergetragen wurde die Zuversicht, der Glaube an die Möglichkeit des südlichen Ausbruchs.

Noch die Emigranten der dreissiger Jahre kamen mit der Erwartung erlösender Verhältnisse. Hatte doch sogar das entscheidende Gespräch für den Abschluss der Locarno-Verträge, die private Begegnung zwischen dem Reichs-kanzler Hans Luther und Aristide Briand, in Ascona stattgefunden, unten am Ufer im Café "Elvezia". Eine kleine Tafel auf der mittlerweile verglasten Terrasse nennt das Datum, den 7. Oktober 1925. Ein paar alte Fotos zeigen die ungepflasterte Piazza, den Blick über den See hinaus zu den Brissago-Inseln, auf denen nach-her René Schickele zu Gast war, eingeladen von dem Hamburger Kaufhausmillionär Max Emden. Er hatte sich dort, weitab von der Küste, ein eigenes Reich mit eigenen Freiheiten geschaffen: eine subtropische Parkland-schaft, die er ab und an mit nackten Mädchen belebte. Es sei "ein ästhetisches, kein sexuelles Vergnügen" gewesen, berichtet Sigrid Renata Loup, eine ältere Dame, die über lange Jahre Emdens Geliebte war. Die Bilder, die sie zeigt, verraten heitere Ausgelas-senheit, ungezwungen gibt sich die abgelichtete Prominenz

bis hin zu Furtwängler. "Auch Leben", so hatte es der Hausherr um das Wappen über der Bootsgarage ein-meisseln lassen, "auch Leben ist eine Kunst." Ins Elegante gewendet, entsprach das Motto durchaus den Vorga-ben, mit denen der Monte Verità das Jahrhundert begonnen hatte. Schwerer zu vereinbaren war es mit dem Schicksal der Vertriebenen. Wie Max Brod, so musste Else Lasker-Schüler weiterziehen. Zurückgezogen sass Georg Kaiser im Hotel "Tamaro" Oder in der ordnete Semiramis oben am Berg ein. Erst in dem abgebrochenen Brief, den man am 4.Juli 1945 im Sterbezimmer fand, kündigte sich Er-leichterung an. Er beginnt und endet mit dem Satz: "ich schreibe im freieren Anblick der lago maggior. - "

Die letzte Aussicht des Exilierten war die Perspektive der Zukunft, das gesuchte Panorama der Davongekommenen. Und nur so, mit dem überstandenen Krieg, müde sich das Ascona der folgenden Jahre erklären, behauptet der Antiquitätenhändler Walter A. Tobler, selbst eine Figur des kultivierten Dolcefarniente. Alle, meint er, seien sie damals gekommen, um Leben nachzuholen, sich einzu-richten in der angekündigten Freiheit, Rühmann und Karajan, die hier, als es in Deutschland noch verboten war, das Fliegen lernten, nicht anders als Adenauer, der seinen Urlaub auf dem Monte Verità 1956 mehrfach verlängerte. Unverändert tat der Ort seine Wirkung, weiter folgten die Gäste der Überlieferung, auf die Jüngeren trafen die Heimkehrer. Henry Jäger befreundete sich mit Walter Mehring und Remarque. Was sie alle zu-sammen hinterliessen, landete nicht selten im Nachbar-dorf Losone, in Toblers dreistöckigem Antikmarkt. Zwischen Tessiner Trödel, zwischen Kupferpfannen und Bauernstühle rückten die Requisiten des umgetriebenen Jahrhunderts.

In Hans Habes Aktenmappe - Seehundleder - stecken noch immer die alten Fahrpläne. An der Wand hängt die Kopie eines Niederländers, die der Journalist in Paris kaufte. Aus dem Schreibtisch darunte r zieht Tobler ein schmales Dossier, zwei Briefe, drei Artikel, die von einem nächtlichen Überfall berichten. Am 5. März 1970 war das geschehen. Nachts gegen ein Uhr hatte plötzlich ein Unbekannter in der Tür eines fremden Hotelzimmers gestanden. Drinnen auf dem Bett saß zusammengekauert der lesende Walter Mehring. "Mein Mörder, mein Mörder", soll er beim Anblick des Eindringlings geschrieen haben. Der späte Besucher aber war nicht der Mörder, den der Dichter erwartete, seit er sich entschlossen hatte, die Welt als Dadaismus zu begreifen. Nur der trunkene Tobler tappte ins Zimmer; auf dem Weg zu einem Mädchen war er an die falsche Tür geraten. Mehring wurde abermals genarrt von der Banalität....

liens :

sur Monte Verità

http://www.limmatverlag.ch/gesch/monteverita/monteverita.htm

 

sur Hermann Hesse et Monte Verità

pour Mühsam Eric, Gross Otto

site en français sur Otto Gross

http://home.nordnet.fr/%7ejgrosse/obs/ottogros.htm

Rudolf von Laban, Mary Wigman

 

deutsche Übersetzungen